Die Klossmacherin (SZ vom 28./29.01.2012)
Freital
Silvia Gropp pflegt einen demokratischen Führungsstil. Nicht nur das zeichnet die Chefin der Freitaler Firma Werners aus.
von Ines Mallek-Klein

Die Klöße Halb und Halb gehören zu den Umsatzbringern bei dem Freitaler Lebensmittel-hersteller Werners. Silvia Gropp leitet hier seit zehn Jahren die Geschäfte und sorgte auch dafür, dass die Verpackungen mit einem kräftigen Rot aufgepeppt wurden.
Haben auch Frauen das Sagen, läuft es besser. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Sie haben die Ergebnisse der 300 größten börsenorientierten Unternehmen Europas verglichen und kommen zu dem Schluss, dass Frauen an der Unternehmensspitze ein Erfolgsgarant sind. Das würde Silvia Gropp so nicht unterschreiben. Aber die Geschäftsführerin vom Freitaler Lebensmittelhersteller Werners weiß, Frauen führen anders. Meine Tür steht offen, nicht zu jeder Zeit, aber auch mal, um ein privates Wort loszuwerden, sagt die Frau mit freundlichen blauen Augen. Sie weiß, Probleme belasten die Mitarbeiter, fressen jede Kreativität und sind damit auch schädlich für den Erfolg der Firma.
Erfolg ohne Quote
Seit 19 Jahren arbeitet Silvia Gropp bei dem Kloß- und Kartoffelsuppenhersteller in Freital. Den Großteil dieser Zeit ist sie Geschäftsführerin. Den Job bekam sie ganz ohne Quote, dafür mit viel Erfahrung als stellvertretende Betriebsteildirektorin. 23 Mitarbeiter hat das Freitaler Unternehmen aktuell, die meisten gehören schon seit vielen Jahren zum Team. Vor großen Festen, wie Weihnachten, laufen die Maschinen hier zwei Schichten am Stück. Bei besonders großen Aufträgen zieht sich auch die Chefin selbst den weißen Kittel über und stellt sich an das Band. "Wir fertigen nur nach Bedarf", sagt sie, und der schwankt. Zum Fest will jeder Gans mit Klößen. Die gibt es seit wenigen Wochen auch im praktischen Kochbeutel. Innovationen wie diese sind wichtig, sagt Silvia Gropp. Die Ideen dazu hat nicht selten sie, auch nach ausgiebigem Studium des Käuferverhaltens. Dafür beauftragt die Geschäftsführerin keine Marktforscher. "Ich bin ja selbst oft genug im Supermarkt", sagt sie und lacht. Dann bleibt sie in der Regalreihe mit den Knödeln, Klößen oder Backmischungen einfach etwas länger stehen und schaut den Kunden in den Korb. Manchmal sieht man Silvia Gropp auch vor dem Regal knien, wenn sie die Verpackungen richtig sortiert. Die sind vor einigen Monaten übrigens deutlich farbiger geworden. Werners wirbt mit einem kräftigen Bordeaux um die Aufmerksamkeit der Käufer. Zur Auswahl stand noch ein Dunkelgrün. Aber Rot ist einfach flotter, sagt die Chefin. Das sahen die meisten Mitarbeiter nicht anders.
Ihre Meinung ist gefragt, und zwar nicht nur bei der Verpackung, sondern auch bei den dazugehörenden Inhalten. Regelmäßig werden neue Produkte verkostet. "Würdet Ihr das kaufen?", lautet dann die Frage von Silvia Gropp in die Runde. Und sie erwartet eine ehrliche Antwort. Nicht alle Rezepte schaffen es bis in das Regal, manch eines wandert auch wieder zurück in die Schublade - und sei es auch nur aus dem einen Grund, dass einige Zutaten auf dem Rohstoffmarkt aktuell zu teuer im Einkauf sind.
|